Mit 6 Schritten zu besseren Entscheidungen

Am Ende war es eine riesige Fehlentscheidung das Projekt so zu machen. Das nach zwei Jahren harter Arbeit zu erkennen, war bitter. Hätte ich diese Entscheidung nach einer besseren Analyse getroffen, hätte ich mir viel Ärger und Mühe erspart. 

Was für ein Projekt das war, erfährst Du später. Fakt ist, Erfolg oder Misserfolg hängen zu einem großen Teil von den Entscheidungen ab die man trifft. Dennoch treffen wir wichtige Entscheidungen häufig aus dem Bauch heraus. Leider ist es bei komplexen Problemen schwierig im Kopf den Überblick zu behalten (z.B. Entscheidung für die Organisationsform einer Forró-Gruppe, Organisation einer Veranstaltung, …). Es gibt in der Regel mehr zu bedenken als man annehmen könnte. Deshalb möchte ich Dir im Folgenden diese 6 Schritte an die Hand geben die Dir helfen qualitativ hochwertigere Entscheidungen zu treffen:

1. Definition des Problems

Wie lautet eigentlich das Problem für das Du eine Antwort in Form einer Entscheidung suchst? Dieser Schritt muss unbedingt klar sein.

Mein Beispiel:
Als Fußballspieler muss ich oft umziehen und so war es auch in Osnabrück absehbar, dass ich nicht lange bleiben würde. Alles was ich aufbauen würde wäre umsonst wenn es nicht über meine Zeit hinaus konserviert würde. 

Definition des Problems: Was muss unternommen werden, dass Forró Osnabrück auch nach meinem Wegzug weiter bestehen bleibt?

2. Alternativen aufstellen

Wenn es keine Alternativen gibt, gibt es keine Entscheidung. Dabei sollten alle möglichen Alternativen in Betracht gezogen werden. Auch eine die oft vergessen wird: Nichts unternehmen. Bei diesem Schritt passieren die größten Fehler. Wenn eine wichtige Alternative vergessen wird, kann das fatale Auswirkungen auf die Entscheidung haben. Eine sorgfältige Analyse ist deshalb wichtig.

Mein Beispiel:
In meinem Beispiel gibt es zahlreiche mögliche Alternativen (wahrscheinlich noch mehr als diese):
– eine Organisation gründen mit der ich auch später noch Verantwortung übernehme und Nachfolger ausbilden
– eine Organisation gründen bei der die Verantwortung aufgeteilt wird und Nachfolger ausbilden
– keine Organisation gründen, aber Nachfolger ausbilden
– nichts unternehmen und der Gruppe überlassen wie es nach mir weitergeht

3. Mögliche Umstände & Ergebnisse identifizieren

Im nächsten Schritt geht es darum die möglichen Ergebnisse jeder einzelnen Alternative aufzulisten. Optimisten neigen dabei oft dazu riskante Ergebnisse zu ignorieren, während Pessimisten tolle Möglichkeiten übersehen.

Das Ergebnis wird dann in der Regel in Kosten & Nutzen gemessen. Anhand der reinen Zahlen kann man meist eine finanziell begründete Entscheidung treffen. Man sollte jedoch auch nicht-finanzielle Kosten & Nutzen-Aspekte berücksichtigen. Die finanziellen Aspekte sollte man sich in jedem Fall als erstes ansehen, da keine Entscheidung ohne eine finanzielle Grundlage getroffen werden kann.

In meinem Beispiel gibt es eigentlich nur zwei mögliche Ergebnisse:
1. Es funktioniert und läuft gut weiter
2. Es funktioniert nicht und scheitert

Zunächst aber müssen die Umstände, die das Ergebnis beeinflussen können, definiert werden (über die wir als Entscheider keinen Einfluss haben). Bei meinem Beispiel sieht das so aus:

Zu berücksichtigende Umstände:
– Grad der Motivation von Mitstreitern (hoch, niedrig)
– Interesse am Forró in Osnabrück (hoch, niedrig)

4. Kosten & Nutzen für alle Alternativen auflisten

In diesem Schritt geht es darum alle Alternativen mit (allen) Ergebnissen und Umständen zu kombinieren. Das hat zur Folge, dass man den Kosten & Nutzen untereinander gut vergleichen kann. Am Besten ermittelt man dafür bereits alle wichtigen Informationen (was ist der geschätzte finanzielle Gewinn für jede Möglichkeit, etc.).

Tabellen eignen sich für diese Art der Auflistung besonders gut. Dabei listet man in den Zeilen die verschiedenen Alternativen und in den Spalten die Zustände.

5. Ein Entscheidungs-Modell wählen

Wie eine Entscheidung getroffen wird hängt in einem hohen Maß davon ab, wie viel Informationen zur Verfügung stehen. Informationen musst und kannst Du dafür natürlich sammeln (z.B. Umfragen erstellen, Angebote einholen, nachlesen, etc.). Je nach Entscheidung und welche Regeln Du dafür aufstellst, solltest Du dann eine (oder mehrere) Entscheidungsmodelle auswählen auf deren Basis Du die Entscheidung treffen solltest:

  • Gewissheit:
    Informationslage: Der Entscheider weiß genau über die Konsequenzen jeder Alternative Bescheid. Die Lage ist nach einer Analyse eindeutig.

    Lösung: Es gibt in der Regel eine optimale Lösung und es geht darum diese Herauszufinden.

  • Ungewissheit:
    Informationslage: Es gibt verschiedene Konsequenzen für jede Alternative und es ist unklar wie wahrscheinlich das Eintreffen der jeweiligen Konsequenzen ist. Wenn es keine Möglichkeit gibt Informationen zu beschaffen, macht das die Entscheidung kompliziert.

    Lösung:
    Es gibt verschiedene Kriterien um eine Entscheidung bei ungewissen Umständen zu treffen:
    – Optimismus: welche der Alternativen kann zu einem maximalen Nutzen führen?
    – Pessimismus: welche der Alternativen führt im schlechtesten Fall zu den wenigsten Verlusten?
    – Realismus (Hurwicz): wie wahrscheinlich ist es, dass ein optimales Ergebnis (bzw. das worst-case Ergebnis) eintritt? Es ist zu erwarten, dass das Ergebnis nicht entweder zu 100% optimal wird, oder total in die Hose geht. Mit dem Hurwicz-Koeffizienten schätzt man ein wo auf dieser Skala man das Ergebnis einschätzt (für jede Alternative).
    – Mittelwert: was ist der Durchschnitt der möglichen Ergebnisse für jede Alternative? Die Alternative mit dem höchsten Durchschnitt des Nutzens wird ausgewählt (z.B. der Durchschnitt von hoch und niedrig ist mittel)
    – Minimales Bedauern: bei welcher Alternative werde ich (im schlechtesten Fall) am wenigsten bedauern? Wenn ich im Beispiel mich dafür entscheide nichts zu unternehmen, gibt es im schlechtesten Fall keine Gruppe und kein Einkommen. Dabei werde ich aber immer noch weniger bereuen wie wenn ich mich dafür entscheide Verantwortung für eine Organisation zu übernehmen und das Projekt schlecht läuft (700€ Verlust und Stress). Die Alternative bei der ich im schlechtesten Fall am wenigsten bedauere wird ausgewählt.

  • Mit Risiko:
    Informationslage: Meist jedoch weiß man ungefähr wie wahrscheinlich es ist, dass bestimmte Konsequenzen eintreffen. Mit Umfragen und Analysen kann man diese Wahrscheinlichkeiten sogar relativ gut berechnen. 
    Lösung:
    Wenn man den erwarteten Wert für alle Alternativen aufstellt, kann man eine Aussage treffen welche Ergebnis anzunehmen ist. Dafür muss man (ungefähr) wissen wie wahrscheinlich ein Umstand eintrifft. Wenn ihr eine Umfrage macht könnte herauskommen, dass es mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% motivierte Leute gibt, und das Interesse in Zukunft zu 80% groß ist. Unter diesen Annahmen könnt ihr dann für jede Alternative ein erwartetes Ergebnis berechnen. Die Alternative mit dem besten zu erwartenden Wert wird ausgewählt. Dabei spielen die Wahrscheinlichkeiten, die den Umständen zugeschrieben werden eine große Rolle. Es lohnt sich in der Regel, dort ein bisschen am Regler zu drehen und zu betrachten ‘was wäre wenn’ (= Sensitivitäts Analyse).

6. Das Modell anwenden & die Entscheidung treffen

Die verschiedenen Entscheidungs-Modelle können anhand von bestimmten Werkzeugen (grafisch) umgesetzt werden, um schließlich eine Entscheidung zu fällen. Die grafische Umsetzung ist wichtig, damit man den Überblick über die Entscheidung behält.

– Entscheidungstabellen: Tabellen ordnen Informationen. Egal ob mit Excel (das ExcelQM-AddIn ist super für quantitative Entscheidungen) oder einfach auf einem Blatt Papier. Gedanken ordnen ist bei Entscheidungen essentiell!
– Entscheidungsbaum: Dabei hilft auch der Entscheidungsbaum. Vor allem wenn ein Problem mehrere Entscheidungen nacheinander verlangt. Wenn ihr dazu mehr erfahren wollt klickt auf den Link!
– Wahrscheinlichkeiten: Wie wahrscheinlich ein Ergebnis eintrifft ist ein wichtiger Gradmesser beim Entscheiden. Möglichkeiten um prozentuale Richtwerte zu bekommen sind historische Daten, Erfahrungen, Umfragen oder Intuition.

Mein Tip:
Zahlenwerte vereinfachen Deine Entscheidung: Ihr solltet bei jeder Angabe den finanziellen Nutzen angeben (schätzen). Jedoch sind monetäre Aspekte oft nicht die wichtigsten: Um andere Aspekte der Alternativen einzubeziehen, kann man den Nutzen auch im Allgemeinen quantitativ darzustellen. Das macht man indem man jedem möglichen Ergebnis eine Zahl zwischen 1 (optimales Ergebnis) und 0 (schlechtestes Ergebnis) zuordnet. 

Fazit

Ich hätte eine ausführliche Analyse der Entscheidung machen sollen, bevor ich mich kopfüber hinein stürze. Hätte ich das gemacht, hätte ich mit meinem Umzug in Aussicht keine Tanzschule unter meinem Namen gegründet. Ende 2019 musste ich final feststellen, dass es nicht funktioniert. Neben den anderen Problemen, war das Projekt finanziell nicht gut genug durchdacht und größere Geld und Energieverluste waren schließlich nur mit Kursabsagen zu verhindern. Diese Kursabsagen führten zu noch mehr internen Verstimmungen, was mich schließlich dazu bewegt hat das Projekt als gescheitert zu erklären. Nach meinen Analysen im Nachhinein habe ich erkannt, dass das Projekt so einfach nicht funktioniert hat. Mit den Informationen, die ich über das Interesse der Gruppe und der motivierten Leute gehabt habe, wäre die beste Entscheidung gewesen sich um Nachfolger zu kümmern, aber keine Organisation zu gründen, an der andere beteiligt sind.

Es geht nicht darum irgendeine Entscheidung zu treffen und dann das beste daraus zu machen. Es geht darum die beste Entscheidung zu treffen und daraus das beste zu machen. Diese 6 Schritte sollten Dir dabei helfen. Kommentiere gerne für Anmerkungen, Fragen und Erfahrungen!

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