Paartanz mal anders: Forró!

Welches Bild ploppt bei Dir im Kopf auf, wenn Du an “Paartanz” denkst? Und wie verändert sich das Bild, wenn es um “südamerikanischen Paartanz” geht? 

Wenn Du noch nicht beim Forró warst, dann hast Du wahrscheinlich ein komplett anderes Bild im Kopf, wie jemand der bereits Forró tanzt. In diesem Artikel möchte ich Dir die 5 wichtigsten Besonderheiten des Forró vorstellen!

1. Tanzstil: Passt sich Dir an.

“Diese Bewegungskombination gibt leider nur einen Punkt von der Jury!” – ein Satz, den man im Forró niemals hören würde. Es gibt natürlich keine Jury (und keine Wettkämpfe), aber es gibt vor allem auch nicht ‘die eine, perfekte, richtige Bewegung oder Figur’. Vielmehr kannst und sollst Du Dich so bewegen, wie es für Dich natürlich ist. Klar, gibt es ein paar Regeln, sonst könnten wir uns nicht verständigen – schließlich tanzen wir immer noch zu zweit. Aber der Rahmen lässt Platz für Interpretation. Der Tanz passt sich an den Menschen an, der ihn tanzt. 

Du fühlst Dich bei dem Gedanken an einen südamerikanischen Hüftschwung nicht wohl? Dann kommst Du wunderbar ohne ihn aus. Du machst nicht so gerne ausladende Bewegungen mit den Armen? Auch kein Problem. Es geht eh weniger darum, WELCHE Bewegungen Du machst:

2. Schritte: Einfach zu erlernen, aber auch irgendwie zweitrangig.

Wie kann es sein, dass Schritte in einem Tanz zweitrangig sind? 

Zweitrangig heißt in diesem Fall nicht, dass man sie komplett weglässt (obwohl das z.T. sogar gemacht wird), sondern es heißt, dass es Aspekte gibt die wichtiger sind. Die Verbindung zum/zur Partner*in und zur Musik zum Beispiel. Schritte sind im Forró immer nur Mittel zum Zweck: Zum Beispiel um Abwechslung zu schaffen, oder die Musik zu interpretieren. 

Man kann Schritte und Figuren als ‘Wendungen” betrachten, um eine Analogie zum Erlernen einer Sprache zu ziehen. Die ersten ‘Wendungen’ sind einfach zu verstehen und zu tanzen. Möchte man sich dann irgendwann umfangreicher ausdrücken, gibt es die Möglichkeit auch komplexere, schwierigere ‘Wendungen’ zu verwenden. Dabei ist Forró eine Sprache, die über verschiedene Kulturen hinweg als Verständigung dienen kann:

3. Geschichte: Multikultur-Pur in brasilianischen Farben.

Ja, man kann schon sagen, dass der Forró aus dem Nordosten Brasiliens kommt. Gleichzeitig merkt man der Musik und dem Tanz jedoch auch viele andere Einflüsse an. Vor allem afrikanische, europäische und indogene Wurzeln werden dem Forró nachgesagt – und wer ein paar Mal beim Forró war, wird diese auch an verschiedenen Ecken spüren. 

Es ist also auch kein Wunder, dass die Forrozeir@s die Legende weitererzählen, dass der Name Forró von ‘For all’ abgeleitet wurde. Schließlich ist es naheliegend, dass eine Kultur, die von solch multikulturellen Einflüssen mitgeprägt wurde, auch mit allen anderen Kulturen geteilt werden soll. Diese Offenheit, gepaart mit der brasilianischen Lebensfreude gibt dem Forró einen ganz besonderen Charme.

Diese Offenheit zeigt sich auch wenn es um die Weiterentwicklung des Forró geht: Die historischen Gepflogenheiten des Forró werden aktiv hinterfragt, und so hat sich zum Beispiel bezüglich den Rollenstereotypen beim Forró einiges getan. Dass die Traditionen im Forró offen kritisiert werden, ist meiner Meinung nach ein großartiger Pluspunkt des Forró.

4. Musik: Lebensfroh-melancholische Musik mit Triangel.

Welches Instrument gibt beim Forró den Ton an? Die Triangel! Naja, zumindest ist ein Forró-Song ohne Triangel nicht vorstellbar. Sie teilt sich den Rhythmusteil mit der Zabumba, der Basstrommel. Das Akkordeon komplettiert das ungewöhnliche Trio. Ich persönlich habe ein bisschen gebraucht um mich in die Musik ‘reinzuhören’. Diese Kombination sorgt jedoch für einen wunderbar kompletten Klang und für eine unglaubliche Energie auf der Tanzfläche. Forró-Musik bedient die komplette Bandbreite: von langsamen, melancholisch-romantischen Liedern bis lebensfroher Partymusik, es ist alles dabei. 

5. Philosophie: Mehr als ein Paartanz!

Es geht darum neue Verbindungen einzugehen, alte Verbindungen neu zu entdecken, eins mit der Musik zu werden und darum den Moment zu genießen. Das alles kommt im modernen, westlichen Lifestyle manchmal zu kurz, dabei führt das Genannte, jedes für sich dazu, dass man sich zufrieden und glücklich fühlt. Ich stehe deshalb nicht alleine mit der These, dass Forró glücklich macht!

Es gibt keine gute Ausrede (siehe mein Versuch dazu) um Forró nicht mal wenigstens auszuprobieren. Es gibt sowohl Online-Kurse, als auch Tanz-Kurse in fast allen größeren deutschen Städten. Mehr Infos zu Forró in Deiner Nähe findest Du in Bernhard’s Forró-Map und in unserem Forró-Finder!

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